Biblischer Maßstab kontra Maßstab der Zeit
Immer mehr muss man heute feststellen, dass der Maßstab der heutigen Zeit oft genau um 180 Grad entgegengesetzt zum biblischen Maßstab ist. Dazu möchte ich fünf Bereiche, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ansprechen.
1. Biblischer Maßstab - im Umgang mit meinem Nächsten
Egal, wo wir heute hinschauen, sei es in der Wirtschaft, im Berufsleben, in der Nachbarschaft usw. gilt häufig das Motto, „Jeder ist sich selbst der Nächste“.
Eine Psychologin der University of San Diego bezeichnet die heutige Generation amerikanischer Jugendlicher und Studenten als die Selbstverliebteste überhaupt. Sie hat mit einem Fragebogen im Jahr 2006 den Grad des Narzissmus (Selbstliebe) unter amerikanischen College-Studenten gemessen. Die Werte lagen um fast ein Drittel höher als vor 25 Jahren.
Die Rock- oder Punkgruppe „Stammtischprolls“ (Proll = Proleten) singt in einem ihrer Stücke:
- Man wird geboren, groß gezogen, der eine gut der andere schlecht, doch was man auch macht, man macht es eh niemandem recht. Du kommst zur Schule, da wird dir beigebracht, dass wie man etwas erreichen kann, es am besten selber schafft, komm stehe deinen Mann.
- Ref. Jeder ist sich selbst der nächste, scheiß auf Charakter und Moral, wenn du am Boden liegst, ist es den anderen doch egal. Das Leben ist nicht immer fair, das hat wohl jeder schon erlebt, doch eines das ist sicher, dass es immer weiter geht.
Und wie sieht es in der Gemeinde aus? Finden wir da nicht auch immer wieder das Denken vor „Jeder ist sich selbst der Nächste“? Die Lieder müssen meinem Geschmack entsprechen… Der Gottesdienst muss dann stattfinden wann es mir liegt, wo es mir reinpasst… Die Predigt hat mir nichts gesagt, weil sie mich nicht in meiner persönlichen Situation abgeholt hat… usw.
Wie ist hier der biblische Maßstab: Paulus schreibt in Phil. 2,4 (ZBÜ):
Habt nicht das eigene Wohl im Auge, sondern jeder das des andern.
Gibt es noch die Frage in meinem Leben: Was wäre jetzt in dieser oder jener Angelegenheit das Beste für meinen Nächsten? Und dies in meiner Familie, Schule, Beruf und Gemeinde. Wir sehen: Die Bibel will in unseren persönlichen Alltag hineinwirken. Das Wort Gottes möchte meinen Alltag gestalten.
2. Biblischer Maßstab - in meiner Beziehung zum anderen Geschlecht
Heute wird die freie Liebe proklamiert – im Alltag und in den Medien. Die Befürworter des Konzepts freier Liebe führen an, sie hätten die Spontanität menschlicher Liebe und Sexualität endlich von den Zwängen einer bürgerlich und religiös definierten Ehe und Moral befreit. Liebe ist das, was Spaß macht und Lust bereitet, unabhängig von den dabei angewandten Mitteln und Wegen der sexuellen Bedürfnisbefriedigung. Also, es braucht keine Ehe mehr und damit gibt es auch kein Ehebruch mehr.
In den Liedern im Radio, egal welcher Sender oder Stil-Richtung, geht es heute doch meistens um „Liebe“ - und meint Ehebruch. Oder, in jeder Sekunde werden weltweit fast 30.000 Sex-Filme im Internet abgespielt. Nach einer Statistik von Online Education, sind es hauptsächlich Männer, die sich Pornos im Internet anschauen. Insgesamt sollen im Internet 400 Mio. Webseiten pornografische Inhalte anbieten. Jeden Tag kommen 300 neue dazu. 35% des gesamten Datenverkehrs im Internet sind pornografischen Ursprungs.
Das alles ist heute in unserer Gesellschaft alles ganz normal. Ehe und Familie scheinen ohne Zukunft zu sein. Welchen Maßstab legt die Bibel bei dieser Frage an? In Mth. 5,28 steht:
Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
Wir sehen also, Jesus anerkennt die Ehe als eine Institution von Gott und Ehebruch beginnt im Herzen. Nicht die Tat, sondern schon die Gedanken werden von Jesus verurteilt. Ein völlig anderer Maßstab, als der dieser Zeit.
3. Biblischer Maßstab - bei Gut und Geld
Welche Maßstäbe gelten da heute? Trachte zuerst nach einem guten Job und einem guten Verdienst, damit du das Leben genießen kannst. Der Himmel hat noch Zeit. Die Bibel jedoch meint dazu in Mth. 6,33:
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
Und in Spr. 11,24:
Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein andrer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer.
Das ist der wahre Schlüssel zu einem gesegneten Leben. Wer gibt, wird von Gott beschenkt – und der hat Segen bereit ohne Grenzen. In Lk. 6,38 steht:
Gebt so wird euch gegeben, ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.
Dazu noch ein weiterer Gedanke. Wenn ich mich schon gemeinnützig einbringe, dann mach ich das möglichst öffentlichkeitswirksam. Der deutsche Politiker Walter Fisch prägte den bekannten Satz: Tue Gutes und rede darüber. Aber was sagt Jesus dazu? In Mth. 6,2 sagt er:
Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Die jüdische Wohltätigkeit gab reichlich Almosen. Nach dem Gottesdienst in der Synagoge trat der einzelne auf und gab an, wie hoch die Summe sei, die er geben wolle. Wurde sehr viel gespendet, dann wurde der Spender auf die Tribüne hinaufgerufen und dadurch geehrt, dass er sich neben den Rabbi setzen durfte. Der Gemeindediener blies dann eine Posaune, um Gott und die Engel darauf aufmerksam zu machen, was für eine besondere Wohltat hier geleistet worden war.
Und hier zeigt uns Gott in seinem Wort erneut einen völlig anderen Maßstab als den, welchen uns die heutige Zeit vormachen möchte.
4. Biblischer Maßstab – wer ist wirklich groß
Wer ist heute groß? Wer Lena heißt, gerade sein ABI macht, gut singen kann und dann den Eurovision Song Contest gewinnt? Wer Karriere macht und Führungskraft von vielen Mitarbeitern ist? Wer in 9,6 sec 100 Meter läuft?
Jesus dreht auch hier wieder den Spieß um und sagt uns in Lk. 9,48 als seine Jünger sich stritten, wer der Größte unter ihnen sei: Denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß. Und dann gibt er uns dazu ein Beispiel in Joh. 13,14 und 15:
Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.
Also der Dienende und in Liebe Gebende ist der wirklich Große.
5. Biblischer Maßstab - in meiner Beziehung zu Gott
Wenn wir heute in die Medien schauen, werden wir regelmäßig damit konfrontiert, dass es nur einen Gott gibt. Und dieser „liebe Gott“ ist in allen Religionen der Gleiche und er liebt alle Menschen. Deshalb kannst Du auch leben wie du willst – am Ende kommen alle in den Himmel. Das ist heute die landläufige Meinung unserer Gesellschaft.
Jesus hat hier einen ganz anderen Anspruch. In Joh. 14,6 steht:
Jesus spricht zu ihm (Thomas): Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Auch hier zeigt uns die Bibel klar, dass wir uns inzwischen meilenweit vom biblischen Anspruch an Wahrheit und Weg zu Gott entfernt haben.
Auch der nächste Schritt, wenn ich das Wort aus Joh. 14,6 glaube und durch Bekehrung neues Leben aus Gott erhalten habe, ist wichtig zu prüfen: Ist mein Verhältnis zu Gott biblisch basierend, oder folge ich dem heute weitverbreiteten Wohlfühl-Evangelium? Jemand beschrieb einmal die heutige Situation mancher Gemeinde so: Viele Gemeinden gleichen heute einem Vergnügungsdampfer, der im sicheren Hafen vor sich hin dümpelt, auf dem die Gläubigen in der Sonne liegen und sich von den Hauptamtlichen kühle Getränke servieren lassen. Biblische Gemeinde aber ist ein Rettungsboot. Die Geretteten wollen aus Dankbarkeit ihrem Herrn dienen und andere aus der eisigen See bergen.
Das ist das Prinzip der Gemeinde Jesu. In der Gemeinde Jesu stehen nicht meine Bedürfnisse im Vordergrund, sondern der Dienst für meinen Herrn – aus Dankbarkeit. Nicht Selbstverwirklichung sondern Hingabe.
Deshalb schreibt Paulus den Thessalonichern in 1. Thes. 1,9:
Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott.
Thomas Schmidt
